Alan Antonio Ruić

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Photographer / Writer / YouTuber

Warum bei Social Media Kontext wichtiger ist als Content!

Warum bei Social Media Kontext wichtiger ist als Content!

 Jennys Bild

Jennys Bild

Schau dir das Bild an, das Jenny gemalt hat! Was hältst du davon? Würdest du’s aufhängen? Würdest du auf Instagram kurz inne halten, um es zu liken oder gar zu kommentieren? Findest du es schön? Merk’ dir bitte kurz, was du jetzt in diesem Moment vom Bild denkst!

Es gibt da nämlich etwas, was du von Jenny wissen solltest. Sie war 4 Jahre alt, als sie dieses Bild gemalt hat, und normalerweise sehen ihre Bilder auch besser aus. Aber ihre Hände zitterten, als sie dieses Bild gemalt hat, weil sie schon mehrere Monate im Krankenhaus war, um gegen Leukämie behandelt zu werden. Sie ist nur wenige Stunden nachdem sie dieses Bild gemalt hat von uns gegangen. Dieses Bild war Jennys letzter Akt auf dieser Welt.

Schau es dir erneut an! Findest du es jetzt schön? Fühlst du vielleicht auch dieses leichte Ziehen in deiner Brust, wenn du an Jenny denkst? Wie denkst du jetzt über das Bild verglichen mit vor einem Moment?

Wunderst du dich, was in den letzten Sekunden passiert ist? Nun, zuerst habe ich dir Content (dieses neu-deutsche Wort für Inhalt) gezeigt, der komplett befreit von Kontext war. Du hast darüber geurteilt, wie wahrscheinlich über jedes andere Bild, was du jeden Tag auf Instagram so siehst. Erst, als ich dir mehr darüber erzählt habe, hast du den Kontext begriffen, in dem es entstanden ist. Erst dadurch hat sich dein Verhältnis zu diesem Bild entwickelt.

Dein Content ist nicht in einer Kunstgalerie, sondern auf Instagram!

Viele von uns sind enttäuscht, wenn wir mit unseren Bildern auf Instagram eine geringe Interaktionsrate bekommen. Sollte das auf dich zutreffen, dann solltest du dir darüber im Klaren sein, dass du kein Künstler mit einer Ausstellung in einer Galerie bist. Natürlich hast du viel Arbeit, Wissen und Zeit in dein Werk gesteckt. Vielleicht wären deine Werke auch ein Erfolg, wenn sie nur in einer Galerie hingen. Vielleicht. Tatsache ist jedoch, dass du nicht in einer Galerie bist, sondern mit tausenden Bildern konkurrieren musst, die dir alle gleichgestellt werden, weil sie genauso 0,2 Sekunden lang (die Zeit, die man braucht, um ein Bild wahrzunehmen) betrachtet werden. Auf Instagram haben Menschen keine Zeit über deine Bilder so nachzudenken, als wären sie in einer Galerie.

Das wird besonders deutlich, wenn man die Gedanken, die man sich in einer Ausstellung macht, mit den ganzen likebacks und follow4follows auf Instagram vergleicht. Berechtigterweise magst du nun denken, dass sich Instagram als Ganzes nicht um gute Fotos schert und dass es deine Zeit nicht verdient. Auf eine gewisse Art hast du da auch Recht. Die Accounts von bekannten Fotografen sind nicht die Größten auf Instagram. Auf Instagram sind Stars die Größten. Das ist so, weil Instagram, im Gegensatz zu allgemein gültiger Meinung, keine Bilderplattform ist. Instagram ist eine soziale Plattform, die zufällig Bilder benutzt.

Aber andere Medien können sich mehr Zeit nehmen.

Ein Roman hat über 300 Seiten und viele Leser werden sich mindestens bis Seite 100 gedulden, bevor sie entscheiden, ob sie ihn nicht mögen. Ein Film ist über 90 Minuten lang und der erste Wendepunkt kommt um die 20. Minute. Zuschauer werden nicht ungeduldig, selbst wenn dieser Wendepunkt eine halbe Stunde auf sich warten lässt. Häufig sehen wir uns einen ganzen Film an, auch wenn wir ihn nicht wirklich mögen. Ich meine, wie oft verlässt man schon das Kino während eines Films?

Das Ganze wirkt nun sehr unfair, nicht wahr? Romane, Filme und selbst Kunstausstellungen können ihren eigenen Kontext definieren. Sie kriegen genug Zeit und Aufmerksamkeit von ihrem Publikum dafür. Also, wie sollst du nun auf Social Media überleben, wenn du etwas zu sagen hast? Wie kannst du einen Kontext herstellen, wenn dir niemand die Zeit dafür gibt? Die Antwort ist, dass du bereits existierenden Kontext nutzen musst. Was ich damit meine, ist, dass wir alle bereits kollektiv entschieden haben, wie man Instagram, Twitter oder jedes andere soziale Medium zu nutzen hat.

Kontext auf Instagram

Du weißt ja bereits, was Leute auf Instagram posten. Zum Beispiel: Fotos von Kaffee und Essen, Fotos von ihren Reisen und Fotos von ihrem äußerst tollen Leben. Warum sollten sich nun Leute, die sich im Kontext von Instagram als Ganzem bewegen, um deinen ganz persönlichen Kontext scheren? Die Antwort ist: Leute müssen dich einfach kennen. Dabei ist es egal, ob du ein Star bist, Leute dich persönlich kennen oder sie dir von einer anderen Plattform hierhin gefolgt sind, um zu sehen, was für Fotos du postest. Du hast sicher auch gemerkt, dass dir meistens deine Freunde auf Bilder kommentieren, zum Beispiel um dir viel Spaß im Urlaub zu wünschen. Viele hinterlassen auch Kommentare unter Posts von Stars, auch wenn sie nicht wirklich etwas zu sagen haben. Zuletzt gibt es noch immer das: „Ich bin vom Reddit-Mutterschiff gekommen, um dich mal abzuchecken.“

Wie du siehst gibt es viel Kontext, der die Leute interessiert. Es gibt alles vom alltäglichen Kaffee bis hin zu unglaublichen Drohnenfotos von fernen Orten. Für dich ist hier wichtig, welches Publikum du ansprechen möchtest. Wenn du immer Dinge postest die für dich im Moment relevant sind, dann ist das natürlich in Ordnung und es werden dir hauptsächlich Leute folgen, die dich kennen. Wenn du jedoch mehr willst, dann musst du dich zuerst am existierenden Kontext orientieren. Weil du der Welt unbekannt bist (es sei denn du bist ein Star), musst du deine eigene visuelle Identität kreieren. Das ist nämlich etwas, das Leute wieder erkennen, wenn sie 0,2 Sekunden bei deinem Post inne halten. Deshalb musst du visuell konsistent bleiben. Visuell ist hier das Zauberwort. Auf Instagram ist es schwieriger thematische Konsistenz vor visueller Konsistenz zu bemerken, wenn man nur 0,2 Sekunden pro Foto Zeit hat. Des Weiteren folgen Leute einem Account immer nur wegen einer Sache. Sie wollen nicht, dass du mehr als eine Sache für sie machst, da sie sich, wenn sie anderen Bedarf haben, einen anderen Account suchen werden, der diesen Bedarf befriedigt. Das ist Instagrams Kontext. Das ist, wie wir kollektiv entschieden haben, die Plattform zu nutzen. Innerhalb dieses Fachwerks kannst du deinen eigenen Kontext positionieren. Genau, wie ein Film sich zuerst in einem Thema oder Genre positionieren muss, bevor er es untergräbt, kannst auch du dies tun. Aber genau wie ein Film (oder jedes andere Medium auch) musst du dir zuerst das Recht dazu verdienen.

Ein Beispiel

Nachdem du deinen Account visuell und dann thematisch etabliert hast, kannst du anfangen, deinen eigenen Kontext zu erschaffen. Erst wenn du Follower hast, die sich um das scheren, was du postest, kannst du anfangen, Bilder online zu stellen, die mehr Zeit oder einer Erklärung bedürfen.

Dieses Foto auf einer Fähre. Was bedeutet es für den Betrachter? Wie könnten wir die Erfahrung für den interessierten Betrachter erweitern? Wir könnten, zum Beispiel, unseren Kontext zur Zeit der Bildaufnahme kommunizieren, sodass der Betrachter unser Gefühl bezüglich des Fotos teilt. Ein Bildtext könnte sein:

Als Kind war das die letzte Etappe einer langerwarteten Reise — die Fähre von Split zur Insel. Nur die Überfahrt trennte uns Brüder davon durch die Reisetaschen zu kramen und unsere Badehosen zu finden, um zum ersten mal im Jahr im Meer zu schwimmen. Die Schule war vergessen. Eine Verantwortung in einer fernen Welt. Jeden Tag rannten wir zum Strand, während sich unsere Mutter Sorgen machte, ob wir auch genug Sonnencreme aufgetragen hatten. Und jeden Sommer gab es einen bestimmten Tag an dem ich morgens im Bett feststellte, dass ich nun braun genug war, um keine Sonnencreme mehr zu brauchen. Wir wurden unglaublich braun. Nur unsere Hintern blieben unter den Badehosen schneeweiß und schienen, zu unserer Freude, fast im Dunkeln zu leuchten. Die brennende Mittagssonne verbrachten wir im Schatten mit eisgekühlten Wassermelonen. Für Jahre, würden meine besten Erinnerungen an diesen Ort gebunden sein. Doch Menschen ändern sich und Perspektiven auch…

Fazit

Wenn du relevanten Content produzieren willst, musst du zuerst den Kontext kennen in dem du ihn positionierst. Picasso hatte schon Recht, als er sagte: „Lerne die Regeln, wie ein Profi, damit du sie wie ein Künstler brechen kannst.“

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf Englisch verfasst und ist hier auf meiner Webseite zu lesen. Falls dir dieser Content gefallen hat, bitte teile ihn und folge mir auf Social Media, wenn du willst. Facebook — wo alles zusammenläuft und ich alle wichtigen Neuigkeiten poste. Instagram — für visuelle Updates eines „verwegenen“ Fotografen. Twitter — wenn dir nach Abenteuer ist und du dich ins Niemandsland traust.

Why Context Beats Content on Social Media!

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Why Authenticity is the Wrong Approach to Social Media!

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