Alan Antonio Ruić

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Photographer / Writer / YouTuber

Warum Authentizität der falsche Ansatz bei Social Media ist!

Warum Authentizität der falsche Ansatz bei Social Media ist!

Nein, das war kein Clickbait. Und, ja, ich kann diesen Titel rechtfertigen.

Das Problem ist, dass Firmen scheinbar Schwierigkeiten damit haben auf Social Media „authentisch“ zu sein und ich kann verstehen, warum dies so ist. Auf den ersten Blick mag es natürlich simpel wirken, einfach als sein eigenes „authentisches“ Selbst aufzutreten, aber hinter dem ganzen steckt eine relativ problematische Intuition. Um dem ganzen näher zu kommen, sollten wir aber nicht von einem großen Konzern ausgehen, sondern von etwas viel Einfacherem: Von dir („authentische" Menschen sind per du)! In diesem Sinne, kannst du mir sagen, was dein authentisches Selbst ist, lieber Leser?

Je nach Situation benimmst du dich vollkommen unterschiedlich. Mit deinem Chef redest du anders als mit deinen Kollegen, deinen Freunden, deinem Partner, deiner Mutter, deiner Großmutter oder mit Fremden bei einem Festival. Welche dieser Situationen spiegelt nun dein authentisches Selbst wider? Wahrscheinlich nicht, wie du dich vor deinem Chef benimmst. Vielleicht ist es ja dein Selbst mit deinen Freunden oder mit deinem Partner? Hiergegen spricht natürlich das eine mal, als du dich bei deinen Freunden beschwert hast, dass du nicht Zeit mit ihnen verbringen kannst, weil dein Partner dich an diesem Tag für sich wollte. All’ dies war aber nur eine lahme Ausrede für deine Freunde, weil du in Wirklichkeit tatsächlich den Tag mit deinem Partner verbringen wolltest.

Deine Mutter und deine Großmutter wissen mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit, dass du regelmäßig Alkohol trinkst. Beide kennen dich ziemlich gut. Immerhin haben sie dich groß gezogen. Und trotzdem hast du ihnen nie erzählt, wie du dir einmal bei einem Festival die Seele aus dem Leib gekotzt hast. Alle deine Freunde kennen diese Geschichte jedoch.

Dieses Spielchen ließe sich so weitertreiben mit immer extremer werdenden Situationen, die angeblich irgendwann dein „wahres und authentisches“ Selbst offenbaren. Dies ist allerdings auch der Punkt, wo die Idee der Authentizität nutzlos für uns wird. Deshalb könnten wir auch versuchen uns auf ein authentisches Selbst festzulegen. Vielleicht das Selbst, was um deine Freunde herum erscheint. Denn, hey!, cool und ungezwungen zu sein ist doch der ganze Sinn von Social Media. Oder etwa nicht? Was wäre denn zum Bespiel, wenn dein Publikum mehr ist wie deine Großmutter oder dein Chef? Hier wäre definitiv eine andere Art der Kommunikation angebracht, als bei deinen Freunden.

Ein neues Konzept

An diesem Punkt wäre es nützlich ein neues Konzept vorzustellen. Drehbuchautoren wissen schon lange, dass Handlungen Charakter offenbaren. Dieser Spruch sagt im Grunde aus, dass deine Entscheidungen auf dir wichtigen Grundwerten basieren. Anhand deiner Entscheidungen finden andere also heraus, wer du bist.

In den oben genannten Beispielen sehen wir eine Person, die sich um andere und um Beziehungen mit anderen sorgt. Diese Person sagt seinen Freunden nicht, dass sie den Tag nicht mit ihnen verbringen will, um die Gefühle dieser Freunde nicht zu verletzen. Diese Person erzählt seiner Mutter und Großmutter auch nicht vom exzessiven Trinken bei Festivals, weil die sich keine Sorgen machen sollen.

Was sind deine Grundwerte?

Das Bedeutet nun, dass du dir Gedanken um die Grundwerte deiner Social Media-Präsenz machen musst und erst daraus das ein oder andere „authentische“ Selbst entsteht. Vielleicht hast du ja ein Team für’s Community Management und jedes Mitglied hat eine leicht andere Art zu kommunizieren. Trotzdem müssen alle immer im Dienst der Grundwerte arbeiten.

Als Beispiel nehmen wir einmal an, dass du die Ehe für alle unterstützt (ein polarisierendes Thema). Eine andere Firma hat nun einige Angestellte basierend auf sexueller Orientation entlassen. Eine Reaktion hierzu wäre Folgendes an die andere Firma zu tweeten:

„Schickt sie zu uns. Qualifizierte Arbeitskräfte können wir immer brauchen!“

Dies ist verhöhnendes und sogar aggressives Verhalten, aber es signalisiert der Welt, dass dir Ehe für alle und Gleichbehandlung so wichtig ist, dass du Verkaufszahlen sowie Geschäftsbeziehungen riskierst und bereit bist auf Konfrontation zu gehen, um diese Werte zu wahren. Deine Entscheidung zu tweeten hat der Welt etwas über deine Grundwerte offenbart.

Ein letzter Punkt

Eine letzte Sache sollte noch erwähnt sein. Es sollte eigentlich selbstverständlich sein, dass man seine Werte nicht einfach so ändern sollte. Die eigenen Grundwerte sollten konstant bleiben. Hierbei, so scheint es, ist es nicht einmal wichtig, wie positiv oder negativ diese Werte von der Gesellschaft im allgemeinen wahrgenommen werden. Als Tiger Woods’ Seitensprünge an die Öffentlichkeit gerieten, waren alle schockiert und empört, eben weil es nicht kongruent mit den Werten war, die er bis dahin vertreten hatte. Im Gegenzug dazu wurden Charlie Sheen’s Ausfälle fast schon als unterhaltsam wahrgenommen. Aufgrund der Werte die er bis dahin vertreten hatte, wunderten sich die Leute sogar, was er noch anstellen müsse, um sein Image und seine Karriere endlich zu ruinieren.

Fazit

Zusammenfassend kann man sagen, dass den Leuten nicht so wichtig ist, welches „authentisches“ Selbst man nach außen zeigt. Vielmehr geht es darum, welche Werte man hat und wie konsequent man mit ihnen umgeht. Unwichtig ist ob man formal redet oder nicht. Es sind die eigenen Grundwerte, die die Leute anziehend finden.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf Englisch verfasst und ist hier auf meiner Webseite zu lesen. Falls dir dieser Content gefallen hat, bitte teile ihn und folge mir auf Social Media, wenn du willst. Facebook — wo alles zusammenläuft und ich alle wichtigen Neuigkeiten poste. Instagram — für visuelle Updates eines „verwegenen“ Fotografen. Twitter — wenn dir nach Abenteuer ist und du dich ins Niemandsland traust.

Why Authenticity is the Wrong Approach to Social Media!

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